Thomas Knapp von feuerhaken.org veranstaltet eine Blogparade. Das ist eine kooperative Aktion von BloggerInnen, die in ihren Blogs über ein vorgegebenes Thema schreiben. Das fördert die Kooperation untereinander. Der Initiator, die Initiatorin postet nach Abschluss eine Auswertung der eingegangenen Beiträge.

Das Thema für diese Blogparade ist das Wahljahr 2010. Schon mehrere BloggerInnen haben ihre Prognosen abgegeben (Weltbeobachterin, BäckBlog, Lost and Found, farblos) vermutlich kommen noch mehr dazu bis Ende Jänner.
Ja, die Wahlen. Irgendwie folgt ein Superwahljahr auf das andere. So auch 2010. Es stehen neben Gemeinderats- und Landtagswahlen auch die BundespräsidentInnen-Wahl an, übrigens ganz aktuell ab 26. Jänner auch die Wahl zum ORF Publikumsbeirat. Prognosen kann ich nicht abgeben - dazu mögen sich andere berufen fühlen - aber über Trends möchte ich schreiben.
Ein solcher Trend ist der Trend nach Rechts. Egal, wie die Vereinigungsversuche von FPÖ und BZÖ weitergehen, egal welcher Skandal noch an Tageslicht kommt, das dritte Lager wird gewinnen - wenn auch nicht bei der BundespräsidentInnen-Wahl, wo wohl der Amtsinhaber so einen großen Bonus hat, dass die Sache fast schon erledigt ist.
Die Stimmung im Land geht nach Rechts. Das zeigen Debatten über MigrantInnen und Asylsuchende, über angebliche SozialschmarotzerInnen und dass, das Versagen Österreichs in der Klimapolitik von vielen als gar nicht so schlimmt bewertet wird. Ich lese manchmal die User-Postings (Facebook-Link) bei den ATV-Diskussionen Am Punkt
mit. Fast egal um welches Thema es da geht, aber besonders wenn über MigrantInnen diskutiert wird, wird mir ganz anders. Da schlägt einen blanker Hass entgegen. Kein sachliches Argument zählt, sondern nur noch Polemik gegen die da, die Anderen. Vielleicht ist es nicht repräsentativ, aber ich fürchte doch, dass hier ein Trend sichtbar wird. Nicht mehr die sachliche Suche nach guten Lösungen für alle, sondern der Sündenbockmechanismus wirken hier. Das wird dann wohl auch bei den Wahlen zum Ausdruck kommen - die, die einfache Antworten haben und das Ressentiment schüren, werden gewinnen.
Ein weiterer Trend, der mit dem Trend nach Rechts durchaus zusammenhängt, ist die immer geringere Wahlbeteiligung. Menschen sehen offenbar keinen Sinn darin, ihre Stimme abzugeben. "Wenn Wahlen wirklich etwas ändern würden, dann wären sie verboten" ist ein bekannter Spruch, den sich immer mehr nicht im Sinne dessen, dass sie sich zivilgesellschaftlich engagieren, zu Herzen nehmen, sondern einfach durch Ignoranz der öffentlichen Sphäre, durch Rückzug ins Private. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass Wahlen so viel verändern, da sind die Unterschiede der Parteien oft zu gering, aber es macht trotzdem Sinn, dieses demokratische Grundrecht wahrzunehmen und zu verteidigen. Denn wäs wäre die Alternative? Das will ich mir gar nicht ausmalen, sondern versuche doch lieber auch im Vorgaukeln der Vielfalt der Parteien die feinen Unterschiede wahrzunehmen und halt notfalls "das kleinere Übel" zu unterstützen.
Beide Trends sind für mich beänstigend. Das Klima wird rauher im Land, gerade für die, die sowieso schon am Rand der Gesellschaft stehen. Es würde viel mehr differenzierte politische Bildung - nicht nur für Jugendliche - brauchen - und demokratische orientierte Projekte, die Menschen in positiver Weise in die Gestaltung ihrer Lebenswelt einbeziehen. Denn nur über selbst gemachte Erfahrungen, kann das politische Interesse, Wissen und Engagement gefördert werden.
Es braucht mehr Demokratie im Österreich!
Vielleicht würde meine 2010-Prognose dann auch nicht so trist ausschauen.
Foto: tschoerda











Kini (nicht überprüft)
Feuerhaken ist ein politischer Lobbyist für die österreichische Linke und seine Angstmache vor einem Rechtsruck "Programm".
Man nennt das Vierte Gewalt, weil es eine Form der Gewalt ist.
Wenn sich also mehrere Lobbyisten gemeinsam stärken wollen, darf dich das nicht gleich verängstigen. Schau genau/er!
PS:
Die Behauptung über den Rückgang der Wahlbeteiligung ist eine kühne Angstmach-These, aber auch hier kann ein Blick in öffentlich gut zugängliche Studien rasch Aufklärung bringen.
Hatschi (nicht überprüft)
1) Für die SPÖ wird 2010 von den Wahlgängen positiver sein wie 2009
2) Trotzdem wird für Faymann unter Druck geraten
3) Die ÖVP wird im ersten Halbjahr eher wenig zu feiern haben, im Herbst ändert es sich.
4) Die ÖVP wird faktisch mehr Macht in der Koalition gewinnen, aber wenn sie den Bogen überspannt...
5) Das einfache Rezept von Strache wirkt, solange niemand ernsthaft sich mit den Problemen auseinandersetzt die Strache den Zugewinn bringen (Asyl/Zuwanderung/Integration und Proporz)
6) Straches Bäume werden auch nicht in die Höhe wachsen – auf Dauer gesehen würde nur eine Regierungsbeteiligung die Wähler vom Strache wählen heilen.
7) Die Grünen sind am Zenit angelangt, wenn sie nicht etwas „volkstümlicher“ werden. Sie sind zuviel in abstrakten Sphären unterwegs.
8) Das BZÖ liegt politisch längst in den letzten Atemzügen
Remm...e (nicht überprüft)
Die Sozialdemokratie ist in einem kaum auflösbaren Paradoxon gefangen. Trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass die gemäßigte Linke die meisten ihrer Ziele bereits erreicht hat, wenden sich immer mehr Sympathisanten enttäuscht von ihr ab. Vermutlich ist es vor allem das Streben nach Gleichheit und gesellschaftlichem Ausgleich, welches den Niedergang der Sozialdemokratie vorantreibt. Zwei soziologische Phänomene, die von der Linken lange negiert respektive zu spät bemerkt wurden, könnten dies beweisen:
Fortsetzung auf
http://www.ortneronline.at/?p=2711#more-2711
andrea
@Kini:
Ich kenne Thomas Knapp (feuerhaken) nicht persönlich, aber nehme ihn im Netz als kritischen Sozialdemokraten wahr und sehr engagiert für Persönlichkeitsrechte (z.B. gegen Internetsperren). Gibt aber sicher Themen, wo wir andere Ansichten hätten. Das ist aber wohl kein Grund hier nicht an einer Blogparade teilzunehmen.
BloggerInnen so pauschal als Vierte Gewalt (Medien) zu bezeichnen, halte ich für übertrieben. Ja, es gibt eine gewisse Wechselwirkung zwischen Blogs (auch auch Twitter) und der etablierten Politik, aber die Machtverhältnisse sind da doch eindeutig ganz andere. Und medial erinnere ich nur an die Kronenzeitung und die immense Medienkonzentration in Österreich - da liegen die wirklichen Probleme des Meinungseinheitsbreis. Da sind doch dann Blogs - so unterschiedlich die da vertretenen Positionen auch sind - immer ein Stück Gegenöffentlichkeit, alternative Öffentlichkeit. Das finde ich gut so.
Bei der Wahlbeteiligung kommt es natürlich immer auf den Vergleichzeitraum an. Vielleicht ist es zuviel das als Tendenz für ein Jahr anzunehmen, aber längerfristig bleibe ich dabei, dass das eine bedenkliche Entwicklung ist.
andrea
@Hatschi:
Warum nicht Weltbeobachterin auch hier?
Deinen Beitrag zur Blogparade habe ich eh auch gelesen: http://weltbeobachterin.blog.de/2010/01/14/wahlprognose-7756106/
Ich hoffe, Du behältst mit Strache recht!
andrea
@Remm...e:
Mich freut natürlich der Verweis auf die katholische Soziallehre im verlinkten Text. Mit dem Neoliberalismus kann aber aber definitiv nichts anfangen, ich glaube nicht, dass ohne öffentliche Steuerung soziale Sicherheit, gutes Leben für alle, sicher gestellt werden kann. Als Christin ist mir die "Option für die Armen" (II. Vatianisches Konzil) besonders wichtig - und dabei darf nicht übersehen werden, dass es eben auch VerliererInnen gibt, Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht so leistungsfähig sind und trotzdem aufgrund ihrer Würde als Menschen genauso das Recht auf gutes Leben haben. Wie wir dahin aber kommen, darüber lässt sich sicher trefflich streiten!
GLG (nicht überprüft)
Ich glaub ohne Ideologie gehts besser. Sozialismus, Konservativismus und Liberalismus. Die drei großen Ideologien wollen ja alle das Gute, nur halten sie unterschiedliche Wege für das Beste.
Doch mal ehrlich wer weiß denn schon wirklich was über die drei Richtungen. Ich höre doch nur immer die aufgezählten Nachteile vom anderen.
Ich find schon amüsant, dass die meisten Diktaturen sozialistisch sind, es viele Reformer gibt die konservativ sind und sich der Liberalismus für die kompromisslose Einhaltung der Gesetze ausspricht. Ihr nicht?
Ich glaube, dass Ideologien nur die brauchen, die keinen Glauben haben. Denn die müssen sich halt die Welt anders erklären und die brauchen etwas, worauf sie ihren Glauben und ihre Hoffnung setzen können.
Ohne Ideologie lebt sichs sicher besser
andrea
Ja, das teile ich mit der Ideologie, wenn wir von einem Ideologiebegriff meinen, der Glaubenssätze beinhaltet, die unbegründet geglaubt werden. Trotzdem möchte ich hier - auch in Unterscheidung - stark machen, dass es Werte braucht an denen wir unser Zusammenleben orientieren. Gerechtigkeit und Solidarität stehen da ganz oben auf meiner Liste!
Hans (nicht überprüft)
Wer nicht glaubt, der folgt anderen Ideen.
Ich kann an Jesus Christus und die katholische Kirche und Soziallehre glauben, dann sind Glaube-Hoffnung-Liebe und Solidarität-Gerechtigkeit ganz entscheidende Werte.
Ideologien verfolgen jedoch nicht die Heiligung bzw. die Heiligkeit als Ziel, sondern sind letztlich ganz konkrete
Formen der Ausübung von Macht.
Ideologien rufen immer zum Kampf auf.
Das ist der ganz große Unterschied zu Christen, die zur
Liebe und zum Dienst am nächsten aufgerufen sind.
Warum bekämpfen die großen Ideologien und ihre staatlichen
Manifestationen die Gläubigen, vor allem die Christen?
Weil ein starker christlicher Glaube eine Bedrohung für
jene, eine Konkurrenz, ist. Einen gläubigen Christen kann
ein Staat bzw. eine Gruppe nicht so instrumentalisieren
und für seine Ziele laufen lassen.
Es ist schwer dieses Thema kurz zu fassen. Aber es ist so
wichtig. Denn mit der Abnahme des Glaubens steigen aliquot
die Ideologien, weil "wir" Ideen folgen wollen und vielleicht
sogar müssen.
Denn unsere Fähigkeit zu glauben, ist in unser Sein gelegt.
Doch "wir" lassen uns halt auch leicht täuschen und rennen
halt oft mehr unserem Kopf und unserem Sinn für Gerechtigkeit
nach. Gott ist sanft, "wir" sind es oft nicht. ER schenkt
und die Freiheit, "wir" anderen oft nicht. ER führt uns in
Liebe, "wir" machen oft Druck. ER weiß was das Beste ist,
wir denken nur es zu wissen.
Die vielen Regime-Verbrechen wurden von Menschen gemacht, die
bereit waren für den Sieg ihrer Ideologie andere zu stören -
und mehr. Bis hin zu für uns völlig unerklärlichen Gräueln.
Der beste Ersatz für eine Ideologie ist ein lebendiger, Liebe-
beseelter Glaube. Der ganz Berge versetzen. Geistliche Berge
und oft auch weltliche Berge.
Es gibt keine Glaubenssätze, die man unbegründet glaubt.
Wenn unsere Werte aus dem Glauben gespeist werden und wir in
der Liebe zu Gott und unseren Geschwistern (allen Menschen) leben, dann kann ER wunderbares durch uns möglich machen.
liebe Grüße,
Hansi
Flipper (nicht überprüft)
@Hans: Stimme dir ganz zu, Ideologien sind Antworten von Menschen. ER hat die richtigen Antworten
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